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Frisches progressives Blut

Aktuell habe ich zwei relativ neue Progressiv-Rock-Bands zwischen die beide einen jeweils sehr eigenen Stil pflegen. Beide haben mit dem, was man heutzutage in der Regel mit Progressiv-Rock verbindet - nämlich hochkomplexes wie uninspiriertes Gedudel, mal überspitzt dargestellt - nicht viel am Hut und schielen trotzdem - oder gerade deswegen - Richtung Massenpublikum. Beiden täte es auf Dauer gut wenn sie ihre stilistische Bandbreite in Zukunft etwas vergrößern.

Mit Amplifier habe ich mich Anfangs schwer getan. Hat man sich aber erstmal an den recht bratigen/unvirtuosen Gitarrenstil gewöhnt stößt man auf gutes Songwriting mit vergleichsweise unverbrauchten Harmonien, die sich zudem ziemlich in die Hirnwindungen fräsen. Das Riff von "O Fortuna" jedenfalls rotiert dort schon seit einigen Tagen ununterbrochen. Ein anderer Anspieltip ist "The Consultancy". Bis auf In- und Outro ist das geradezu radio-affin. Erinnert insgesamt alles ein bisschen an The Tea Party mit denen ich jedoch nie derartig warm geworden bin. Nicht "the best three piece band in the world", wie man selbstbewusst von sich selbst behauptet (den Titel machen King's X und Rush unter sich aus) aber eine willkommene Ergänzung des Fundus.

Verglichen mit Amplifier mit ihrem eher anstrengenden Sound sind Pure Reason Revolution eher die "Chill out"-Variante. Damit will ich nicht gesagt haben dass hier nur leise Töne eine Rolle spielen, tatsächlich können die Jungs (+ ein Mädel) auch Uptempo. Aber alles ist derart harmonisch und melodisch, der Gesang vollkommen klar und kantenlos, dass absolut nichts aneckt. Oft mag ich sowas nicht, hier mache ich aber mal eine Ausnahme da es nicht um des Weichspülens willen geschieht sondern sich einfach nur alles rigoros dem Stil unterordnet. Der ist wahrlich schwer zu beschreiben, da die Vorbilder fehlen. last.fm versucht es mit:

"Spaciger Ambient-Sound trifft auf Led Zeppelin-Riffs, polyphone Beach Boys-Harmoniegesänge, Songstrukturen aus dem 70er-Prog sowie elektronische Bleeps und Blubber scharwänzeln um den guten alten Indierock."

Alles klar soweit? Zum Reinhören taugen z.B. Apprentice of the universe sowie Voices of winter.

Patrick O'Brian - Die Aubrey/Maturin-"Saga" (Romanreihe)

Nein, normalerweise lese ich keine Seefahrerromane. Aufmerksam wurde ich auf diese Reihe durch den Film "Master and Commander", eigentlich immernoch einer meiner Lieblingsfilme der letzten Jahre, welcher auf der Buchreihe basiert. Mich beeindruckte die schonungslose, realistische Art wie der Alltag auf einem Kriegsschiff der englischen Marine, fernab von jeglichen "Fluch der Karibik"-Klischees (und - was zumindest ich sehr erfrischend finde - auch fernab von den üblichen Hollywood-Standard-Erzähldramaturgien) dargestellt wurde. Die großartigen Hauptdarsteller, Russell Crowe als Kapitän Jack Aubrey und Paul Bettany als Schiffsarzt Steven Maturin, taten ihr übriges.

Aber eigentlich wollte ich ja über die Bücher schreiben :-) Sowohl die Titel der einzelnen Romane wie "Kurs auf Spaniens Küste", "Duell vor Sumatra", "Feindliche Segel" als auch die Covergestaltung scheinen auf 08/15-Seefahrerromantik-Romane hinzudeuten. Zumindest nach meiner Einschätzung ist das weit gefehlt. Die Bücher sind erzählerisch ausserordentlich gut, fast mit der beste Kompromiss zwischen fliessender Lesbarkeit und Anspruch den ich je kennengelernt habe. Hauptsächlich leben die Geschichten von der Freundschafts-Beziehung Aubrey/Maturin. "Lucky Jack" Aubrey, bärbeißiger, charakterlich schlichter aber gutmütiger und seefahrerisch überragender Skipper und den intellektuellen und liberalen, jedoch auch ziemlich weltfremden Arzt und Hobby-Zoologen Maturin verbindet eine spezielle Freundschaft wie es sie nur zwischen zwei derartig gegensätzlichen Charakteren geben kann. Allein für die traumwandlerische Sicherheit wie diese Zweier-Seilschaft dargestellt und durch diverse "schwere Seen" gejagt wird lohnt sich die Lektüre.

Dazu gesellen sich die Qualitäten einer sehr fundierten Kenntnis der Zustände der damaligen Gesellschaft wie der Marine und geradezu schwindelerregend präzise Darstellungen seefahrerischer Manöver und Techniken, denen der kenntnislose Leser nicht wirklich folgen kann, zum Glück aber auch nicht muss (Tip: Jedes Buch endet mit einem Seefahrerlatein-Glossar :-). Inhaltlich wird oft ein sehr hohes Tempo vorgelegt, auf Dialogen und selbst auf Seeschlachten wird selten lange verweilt, Verluste nur kurz betrauert (was der Tiefe meiner Meinung nach besser gerecht wird). Das ist vielleicht nicht jedermanns Sache, ich aber finde das eine willkommene Abwechslung von den Logorhoe-Orgien die ansonsten in Roman-Schinken angesagt sind. Es kommen auch so zwanzig Bände zusammen :-)

Also Tip von dieser Seite: 1. Film besorgen. 2. Bei Gefallen einfach weiterlesen.

Julian, Arthur, George, Dave

Julian Barnes - Arthur & George (Roman)
Barnes ist aufgrund seiner erzählerischen Qualitäten und seinem Gespür für guten Romanstoff einer meiner Lieblingsschriftsteller. Beides verhilft auch seinem neuesten Werk "Arthur & George" zu seiner Klasse. Die Story dreht sich um einen historischen Justizirrtum im England des 19ten Jahrhunderts, dem George Edalji - ein Solicitor parsischer Abstammung - zum Opfer fällt. Arthur, niemand geringerer als Sir Arthur Conan Doyle, Autor der (von ihm selbst recht geringgeschätzten) Sherlock-Holmes-Romane, engagierte sich seinerzeit in diesem Fall. Der allgemeine Erzählstil und die Schilderung und Ausarbeitung der Charaktere gehören zum Rundesten was ich seit langem gelesen habe.

Foo Fighters - Echoes, Patience, Silence and Grace (CD)
Die Liste der FF-Alben die man als Freund der gepflegten Rockmusik in seinem Regal stehen haben sollte ist um einen Titel reicher. Man weiss garnicht was man im Einzelnen hervorheben soll: Die dynamischen Kompositionen (die dabei eigentlich recht simpel bleiben) der erstaunlich gereifte Gesang von Grohl (gerade bei den leisen Stücken), die Ohrwurm-Melodien am Laufband, das permanent hohe qualitative Level ohne Füllerstücke. Reinhören bei: The Pretender, Let it die, Stranger things have happened.

Bill Bryson - Eine kurze Geschichte von fast allem (Buch)

Von Zeit zu Zeit nehme ich mir einen Schinken der aktuellen populärwissenschaftlichen Literatur vor um mal wieder einen Überblick über den - Achtung Pathos! - Stand des menschlichen Wissens auf möglichst breitem Spektrum zu erfahren. Der Titel dieses Buches suggerierte mit fast unverschämter Direktheit genau diesen Anspruch, er wäre ohne weiteres auch für eine Parodie zu diesem Genre denkbar.

Tatsächlich ist die "kurze Geschichte" ein äusserst süffiges Sachbuch, das mir Anfangs fast zu unwissenschaftlich und gewollt laienhaft vorkam. Das bekommt der Autor aber ziemlich schnell in den Griff und vollführt einen wilden Ritt durch allerlei "große Themen " wie Geologie, Paläonthologie, Molekularbiologie, Quantenphysik und dergleichen. Großen Anteil am Unterhaltungswert des Buches hat, dass man nicht nur das Wissen in Form der puren Fakten vor den Latz geknallt bekommt sondern in der Regel auch erfährt, wie "man" dort hingelangt ist, was man vor oft noch nicht allzulanger Zeit stattdessen geglaubt hat, mit was für Persönlichkeiten gewisse Errungenschaften verbunden sind und was für Hindernisse es auf dem Weg zum Wissen gab - nicht selten persönliche Animositäten, oft aber auch erschreckende Stümperhaftigkeit.

So erfährt man beispielsweise weswegen Charles Darwin seinerzeit seine legendäre Seereise zu den Galapagosinseln gemacht hat (nicht etwa grundsätzlich als Wissenschaftler sondern als Gesellschafter des Kapitäns der nicht über Monate hinweg nur von einfachen Matrosen umgeben sein wollte). Man erfährt dass seine Beobachtungen damals mitnichten so zielstrebig in Schlussfolgerungen umgemünzt wurden wie heute vermittelt wird, und zwar weil er sich größtenteils selbst im Wege stand. So hat er zwar eifrig Vogelzeichnungen auf seinen Reisen angefertigt, war aber nicht Ornithologe genug um die jeweils spezialisierten Finken als Angehörige einer einzigen Art zu identifizieren. Das hat viel später zuhause ein befreundeter Vogelkundler für ihn erledigt. Nicht genug damit, hat er doch im Überfluss auch noch vergessen genau zu notieren, auf welcher Insel er welchen Vogel beobachtet hat, was ihn überhaupt erst auf den Trichter mit Isolation und Spezialisierung hätte bringen können. Dieses Wissen musste er später mit gehörigem Aufwand rekonstruieren.

So schmökert man sich durch die Wissensgebiete und Jahrhunderte und entdeckt (und wiederentdeck) dabei so manchen spannenden Fakt, wie dem dass wir erdgeschichtlich eigentlich immernoch in einer Eiszeit leben, dass es in unseren Zellen ein kleines Ding namens Mitochondrium gibt, dass mit uns so wenig zu tun haben möchte dass es über Jahrmilliarden seine eigene DNA behalten hat, dass die Menschheit vor einigen zehntausend Jahren bereits einmal vor dem absoluten Exitus stand usw.

Wer das jetzt für trocken und langweilig hält den ... werde ich wohl kaum eines anderen überzeugen können (soetwas hab ich schon seit geraumer Zeit aufgegeben) , dem will ich aber dennoch sagen dass ich selten knapp 600 Seiten mit größerem Eifer und Interesse gelesen haben.

Kurzum: Wer wie für so etwas zu haben ist der darf das als Empfehlung verstehen.

Tarantino's "Death proof"

Nur damit ihr wisst, worauf ihr euch bei diesem Film einlasst:

Ca. 110 Minuten Tarantino-Dialoge
Ca. 3 Minuten extreme Gewalt
Ca. 100 Minuten Farbfilm, der Rest Schwarzweiss oder irgendwas Undefinierbares dazwischen
1 Lapdance
1 durchgeknallter Stuntman, gespielt von Kurt Russel
1 Stuntwoman, gespielt von einer Stuntwoman
Diverse dilettantische Szenenschnitte inklusive Filmmaterial-Wechsel, wiederholte Abschnitte etc. (Das Kino sah sich veranlasst einen Flyer zum Film auszuhängen, in welchem darauf hingewiesen wurde dass es sich dabei mitnichten um minderwertiges Filmmaterial handelt sondern um künstlerische Stilmittel des Regisseurs).

Wir fanden es genial. Aber wer bislang schon mit Tarantino nichts anfangen konnte sollte sich auch diesen Film definitiv schenken.

Diverses Akustisches

The Gathering - Home (CD)
Wie soll man diesen Musikstil nennen? "Psychedelic Ambient" ? "Progressive Gothic" ? Keine Ahnung, geht jedenfalls unter die Haut.

Porcupine Tree - Fear of a blank Planet (CD)
Hier fällt die Kategorisierung leichter. Progressive Psychedelic Rock. Geht trotzdem unter die Haut. Eine Band in ihrem Zenit.

Stephen King - Das Mädchen (Hörbuch)
Das der Mann als Erzähler unterschätzt wird hat sich ja inzwischen rumgesprochen. Diesmal benötigt er (eigentlich) nur ein neunjähriges Mädchen das sich im Wald verläuft und die damit verbundenen Schrecken um den Leser/Hörer mit einem Lehrstück an perspektivischer Erzählweise zu fesseln. Fast schade dass es letztlich doch ein wenig ins Übersinnliche abdriftet.

Und ja "Systematic Chaos" und "Beauty & Crime" habe ich auch schon, aber da braucht niemand vor Juli von mir eine fundierte Meinung erwarten :-)

King's X - Ogre Tones (CD)

Eine weitere Band, der ich speziell verbunden bin, und deren Formkurve wieder nach oben zeigt. Es ist immernoch irgendwie eine ganz spezielle Art von rustikalem "Progressive Blues Rock" mit Metal-Gitarrensound, auch wenn die Progressivität sich inzwischen nur noch ab und an in nicht ganz alltäglichen Melodien niederschlägt. Und es ist für die Band selbst eine Rückkehr zu ihren Wurzeln. "Freedom" beispielsweise könnte ohne weiteres auch ein Track von "Faith, Hope, Love" sein. Anspieltipps: Alles, keine Aussetzer vorhanden. Jetzt müssen sie nur noch auf Tour kommen damit ich den Gebetsteppich mal wieder ausrollen kann.

Kate Bush - Aerial (CD)

Kate Bush ist die ideale weibliche Ergänzung für den Mike-Oldfield-Hörer. Sehr intensiv, irgendwie schrullig, teilweise (unfreiwillig?) albern. Aerial wird in der Kritik als Comeback mit einer Klasse gefeiert, welche man der Künstlerin nach so langer Zeit nicht mehr zugetraut hätte. Ich kenne zwar die anderen Alben von ihr nicht, aber dieses hier hat definitiv was. Eingängigere Popsongs (King of the mountain, How to be invisible, Somewhere in between) sind ebenso vertreten wie behutsamere Avantgarde (Mrs. Bartolozzi, Pi, Sunset). Aber jeder Song hat sein ganz individuelles "Edge", dieses gewisse Kate-Bush-Feeling. Die Songs fühlen sich so an, als entstammen sie alle einer dunstigen Parallel-Traumwelt, die gut auch die die Herkunft ihrer Interpretin sein könnte. Ein unverkennbare Individualtät welche dieses Album deutlich über die Pop-Massenware erhebt.

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