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Apfel-Rosskur

Ist Gewohnheit nicht eine ulkige Sache? Ich habe nun ca. 15 Jahre lang auf Windows-Plattformen entwickelt, angefangen mit Version 3.1. Liebe ist es wahrlich nie geworden. Zwischendurch habe ich mich privat Richtung Linux orientiert, zunächst serverseitig dann auch auf dem Client. Auch wenn ich hier einige Dinge richtig gut finde ist es größtenteils immer noch zu ungeschliffen für den Desktop-Einsatz (und ja, Ubuntu ist hier sehr vielversprechend, aber noch nicht ganz "da").

Vor zwei Wochen hat unsere Firma in einer Kamikaze-Aktion alle dringend ausrangierungsbedürftigen (=alle) Clientrechner durch MacBooks ausgetauscht. Gäbe es nicht diese völlig unnütz unterschiedlichen Tasten-Shortcuts, ich könnte mir einbilden nie mit was anderem gearbeitet zu haben.

Dabei war auch das nicht Liebe auf den ersten Blick. Nach dem ersten Tag mit MacOS fragte ich mich ernsthaft, was jenseits von schönerem Design hier wirklich effektiv besser sein soll. Das hat sich aber ziemlich gewandelt nachdem ich mich an die Eigenheiten gewöhnt hatte. Auf die Gefahr hin dass ich in das übliche Apple-Gefasel verfalle: Es ist kaum zu isolieren, warum man auf einem Mac irgendwie flüssiger arbeitet. Wahrscheinlich ist es die Gesamtheit der kleinen Productivity-Features die man in nullkommanix adoptiert hat und dann so selbstverständlich anwendet wie den eigenen Daumen.
Meinen detaillierten Senf zu den MacBook/MacOS-Features:

  • Hardware: Ok, das technische Antiquariat auf dem wir teilweise zuvor arbeiten mussten (und da war ich noch gut dabei) taugt nicht wirklich für einen wertenden Vergleich. Dennoch bleibt festzustellen, dass das MacBook ein gutes Paket in sehr ergonomischer Hülle ist. Ok, der Schirm ist vergleichsweise klein, dafür aber wirklich gestochen scharf. Der Intel-Dual-Core rennt gut, wie nicht anders zu erwarten, der Akku hält problemlos 3 und mehr Stunden durch, und da sich der Rechner nicht durch vernehmbare Festplattengeräusche die Blöße gibt hat man den Eindruck dass er (fast) alles ohne nennenswerte Verzögerung bewältigt. OK, ich bekomme auch diesen Rechner in die Knie, aber mal nicht so eben :-)
  • MacOS generell: Geht sehr leicht von der Hand. Das Dock finde ich cool, schlicht und dadurch besser als alle Kicker und Startleisten. Ok, ein richtiges Startmenü fehlt, es gibt aber sehr praktische Erweiterungen wie "Quicksilver" die einen vergessen lassen, dass man sowas überhaupt jemals gebraucht hat. Dass die Symbolleisten von den Fenstern entkoppelt sind verwirrt nicht lange. Zugegeben, der "Finder", obwohl er ein paar interessante Ideen wie die mehrspaltige Anzeige bietet, ist die Achillesferse des ganzen. Hier hat man wirklich das Gefühl, der Dateimanager ist "dumbed down" um für unbedarfte Benutzer verwendbar zu sein, was zu Lasten seiner Poweruser-Tauglichkeit geht.
  • Dashboard: Finde ich nicht ganz so unnütz wie von vielen bemängelt. Ist geeignet für alle Tools die ich schnell zur Hand haben will ohne irgendwas explizit starten zu müssen, wie Rechner, Wikipedia-Suche, Kalender etc. Dass es eine Tonne überflüssiger Widgets gibt mit denen verspieltere Benutzer ihren Rechner zumüllen kann man dem Konzept nicht anlasten.
  • Mighty Mouse: Tricky: Der unverzichbare Rechtsklick. Habe einige Zeit gebraucht um festzustellen, dass es nicht nur auf die Klickposition ankommt (Die Maus ist im Grunde nur eine einzige große Taste, die man an unterschiedlichen Positionen runterdrücken kann), sondern darauf, dass der Finger für die linke Taste die Maus dabei nicht berührt (ok, ich hätte die Anleitung lesen können, aber wer gibt sich denn die Blöße und liest zu einer Maus die Anleitung...). Ab sofort unverzichtbar: Die "Squeeze"-Funktion mit der ich eine Übersicht der geöffneten Fenster sehe, zwischen denen ich so sehr schnell wechseln kann. Da kann der Vista-WOW-Effekt gerne zuhause bleiben....
  • Safari: Dank Firefox kein Thema
  • Entwicklung: Das einzige OS welches eine wirklich nutzbare Java-Installation direkt mitbringt. Von da aus hat man als Java-Entwickler naturgemäß wenig Probleme.
Überhaupt muss man sich wundern, wie leicht es heutzutage ist, "mal eben" die Betriebssystems-Plattform zu wechseln ohne sich im großen Stil nach neuer Software umschauen zu müssen. Viele essentielle Software wie Office-Pakete und Browser gibt es inzwischen OpenSource und für diverse Plattformen. Zumindest für unsereins ist darüber hinaus vieles eh Java und - relativ - problemlos portierbar. Was man sich dann noch zusammensuchen muss bewegt sich auf der "Toolie"-Ebene wie VNC-Viewer, FTP-Client, VPN-Client etc.  Und das ist eigentlich alles leicht verfügbar.

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