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SuzieV


Mit Suzanne Vega habe ich nun alle Acts meiner persönlichen musikalisch-heiligen Dreifaltigkeit, bestehend aus Mike Oldfield, ihr und King's X, konzertmässig erschlossen. Und Vorsicht: Auch diese Rezension wird wieder eine schamlose Lobhudelei.

Mit einer mir bislang unbekannten deutschen Sängerin, die sich einfach "Maria" nannte wurde der "etwas andere Konzertabend" (zumindest was meine Gewohnheiten angeht) eingeleitet. Schon hier regierten sehr sanfte, subtile Töne und eine Nachtclub-Atmosphäre die irgendwie was von David-Lynch-Fillmen hatte (nein, keine roten Lampenschirme, aber trotzdem...)

Dieser Eindruck wurde freundlich durch die zweiköpfige Band jener jungen Künstlerin unterstützt, die auch von einem Regisseur zusammengecastet hätte sein können: Ein scheuer, lockenköpfiger Perkussionist mit eher hageren Zügen und ein dunkler, bärenhafter Akustik-Gitarrist mit breitem, ausdrucksvollem Gesicht untermalten die Folk/Avantgarde-Stücke sowohl akustisch wie optisch aufs passenste.

Mrs. Vega fiel nach etwas über einer Stunde über ihr eigenes musikalisches Schaffenswerk mit einer ähnlich bemerkenswerten Besetzung her. Sie selbst an der Akustik-Gitarre (siehe Bild) wurde von eim ergrauten, hageren E-Gitarrist und einem  gedrungenen E-Bassisten begleitet. Nichts sonst. Kein Schlagzeug, kein Percussion.

Dadurch waren die Interpretationen ihrer - überwiegend mehr als 20 Jahre alten - Setlist-Titel natürlich ungewöhnlich, aber  umso interessanter und vor allem intensiver: Marlene on the wall,  Small blue thing, Caramel, Blood makes noise... Kommt mir nicht mit Gänsehaut-Feeling, wenn ihr nicht da wart wisst ihr ja garnicht was das ist.

Stimmlich ist die gute Frau absolut auf der Höhe, auch wenn sie natürlich nicht zu den Oktav-Akrobaten gehört sondern mehr ins Singer/Songwriter-Genre passt. Man sieht ihr an dass es für sie das Natürlichste der Welt ist, mit einer Gitarre umgeschnallt auf der Bühne zu stehen und ihre Kreationen mit der ihr ganz eigenen, subtilen Emotionalität vorzutragen.

Nur eines hat sie scheinbar in ihren inzwischen gut drei Jahrzehnten als Profi-Musikern noch nicht gelernt: Nach ca. anderthalb Stunden verlässt sie und ihr Ensemble mit ein paar hastig gemurmelten Abschiedsworten die Bühne. Das Publikum wähnt aufgrund der sehr knappen Verabschiedung dass eine Zugabe drin ist und fordert diese ein. Die drei kommen wieder auf die Bühne, spielen ein weiteres Stück, gehen wieder, ebenso überstürzt wie zuvor.

Selbes Szenario, das Publikum fordert Verlängerung. Das Trio erscheint wieder, rasselt ein Stück runter (ich glaube "In Liverpool", oder war das schon vorher?), geht wieder. Das wiederholt sich noch einmal mit "Some Journey" bis dem Publikum dämmert, dass lange und erklärendere Abschiedsworte - wie sie andere Bands benutzen um zu sagen "war schön mit euch aber jetzt möchten wir doch nach hause" - nicht Mrs. Vega's Ding sind und trollt sich. Hat sich schon was mit diesen in sich gekehrten Musikern, das hätte mir auch bei Oldfield passieren können.

Whatever, es war ein durch und durch gelungener Abend mit einer großen, unverwechselbaren Künstlerin die wir hoffentlich noch öfter auf deutschen Bühnen bewundern dürfen.

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